Heimat II

 

 
 
Auszug aus einem Interview in „Täglich alles“ Sept.98
Bei Miguel Herz-Kestranek in St. Gilgen am Wolfgangsee: „Wie ein buddhistischer Mönch“
„Die Schönheit meines Gartens ist, dass er direkt am See liegt. In der wärmeren Jahrezeit ist der Garten mein Lebensraum. Optisch und von der Seele her, ist er für mich etwas sehr Wichtiges. Aber ich arbeite auch sehr gerne im Garten. So zelebriere ich stundenlanges Kiesrechen, wie die ZEN Buddhisten, die rechen auch so im Sand herum. Das hat auch für mich etwas Meditatvies.“

Gärtner gibt es keinen hier. Herz-Kestranek bleiben also auch die „unliebsamen Arbeiten“. „Dazu zählt im Herbst das Laubzusammenrechen. Dabei muss man immer den Zeitpunkt erwischen, wo es noch nicht geregnet hat, sonst liegen die Blätter nass im Garten herum und sind so schwer zu rechen. Eine ziemlche Arbeit ist es auch, den Kies auf Haufen zusammen zu schaufeln. Da arbeitet man schon einen Tag. Im Herbst werden auch die Rosen und Hortensien geschnitten. Und heuer muss auch die Badehütte neu gedeckt werden. Sehen Sie? Da liegen schon die Lärchenschindeln fürs neue Dach.“

Er packt jetzt zu, damit er sich im Frühjahr doppelt freuen kann: “Ich habe es gern, dass ich, wenn der ganze Schnee geschmolzen ist, nicht die ganze Sauwirtschaft habe, sondern der Garten zwar schlafend, aber „wie aus dem Schachterl“, rein und jungfräulich vor mir liegt.“ Nach diesen philosophischen Ausschweifungen jetzt wieder nüchtern: “ Eigentlich ist das hier nicht einmal mein Ideal, mein Traumgarten, denn ich hätte gerne mehr Blumen. Aber das bringt nichts, weil ich so unregelmäßig da bin. Ich weiß ja nie, wann ich drehe. Mit dem Graten ist es so wie mit einem Hund, den kann man auch nicht alleine lassen, weil er auch Pflege braucht.“ Im Garten verblassen die Hortensien, die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Schmuckkugeln. Herz-Kestranek führt uns zum Marillenbaum. „Der wird geerntet, dann mache ich zwei Gläser Marmelade daraus. Mehr ist nicht drinnen.“

Kleinere Arbeitsunfälle stehen auf der Tagesordnung. „Nach drei Wochen St. Gilgen sind meine Hände nicht mehr die eines Schauspielers, sondern die eines Arbeiters. Man hackt sich wo hinein, schneidet sich – aber das ist normal.“ (Gerald Vukits)