jüdischer Buddhchrist

 

 
 
 
 
 

(MH-K als der legendäre Magister Liguster in „Familie Merian“, ORF 1993)

Buddhisten haben ihre innere Mitte gefunden. Und das mittels einer Religion, die weder Verbote, noch gebote kennt und die jedem die Chance gibt, sich die für ihn persönlich wichtigen Aspekte zu nutze zu machen…Auch Miguel Herz-Kestranek beschäftigt sich mit der Lehre des Buddha. Entdeckt hat Herz-Kestranek die alte Lehre durch Zufall: „ Vor etlichen Jahren hatte ich das Gefühl, am Tiefpunkt meines Lebens zu stehen…“ Ausgerechnet durch eine Fernsehserie fand er zu seinem Banthe (buddhistische Bezeichnung für Lehrer).“ Ich sollte in einer TV_-Serie einen buddhistischen Mönch spielen, die Kostümbildnerin wußte aber nicht, wie die Mönchsrobe zu binden war. Also kontaktierten wir einen Mönch aus Sri Lanka, der seit jahren in Wien lebt und hier Kommunikationswissenschaften studiert hat. Ich war augenblicklich „verliebt“ in ihn. Er führte mich in den Buddhismus ein und ist seitdem einer meiner wichtigsten Freunde.

MH-K hat seitdem etliche Podiumsdiskussionen bei buddhistischen Symposien in Wien geleitet und plant ein Buch mit seinem Freund Banthe Seelawansa.
In einem Kommentar schreibt MH-K: „Im Sinne der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft und in Respekt vor praktizierenden Buddhisten und ihrem täglichen Bemühen um die Erfüllung der Lehre bezeichne ich mich nicht als Buddhist, aber der Buddhismus, in seiner Logik und seiner so unglaublichen Einfachheit ist mir ein Lebensbestandteil geworden, der mich immer wieder lehrt, der mich immer wieder zu mir und meiner Verantwortung zurückführt, der mich immer wieder erkennen lässt und den ich nie mehr verlieren werde.

 

 

MH-K und sein Freund und Lehrer Banthe Seelawansa 1998 in Canada (Foto privat)


 

Das Zeitlose und damit auch Zukunftsweisende an dieser uralten bewährten Lebensphilosophie ist für mich vor allem die Eigenverantwortlichkeit für alles Geschehen. Die zu übernehmen ist nicht leicht, aber es appelliert an das Potential des Menschen, es macht ihn bewusst und damit stark für das Leben und alles Seiende. Begleitet wird man dabei von der fast heiteren Toleranz Buddhas, an den man nichts delegieren kann, der kein Schöpfergott ist, der nicht richtet, nicht belohnt oder straft, sondern ein Mensch ist, dem nichts Menschliches fremd ist.
Von den verschiedenen Aspekten des Buddhismus, wie ich ihn durch meinen Freund und Lehrer, dem in Wien lebenden singhalesischen Theravada-Mönch Banthe Seelawansa erfahre, ist mir die beglückend einsichtige Möglichkeit, das irdische Leben leidfrei, in Frieden und in Zufriedenheit zu führen die nächste.
 

Als „jüdischer Buddhchrist“ lebe ich meine jüdischen Wurzeln, meine christliche Erziehung und meine buddhistischen Erkenntnisse, aber wie ein guter und, wenn es sein soll, lächelnd mahnender Freund, begleitet mich der Buddhismus auf meinem Lebensweg, einmal vor mir weit ausschreitend, einmal neben mir, wie ein Schatten, ein andermal hinter mir, bescheiden und von mir beinahe vergessen – aber immer da.
So fern und mystisch Buddhismus auch durch sein äußeres Erscheinungsbild erscheinen mag, so verblüffend nah und lebbar ist dieser Lebenvorschlag für uns sogenannte westliche Menschen und wenn neben Unzufriedenheit und Suche heute oft auch modischer Religionstourismus die Menschen zum Buddhismus führt, wird das weder den Menschen noch dem Buddhismus schaden. Offenheit und Verständnis für eine andere Religion kann zu dieser Lehre hinführen, es kann aber auch die eigene Religion vertiefen, oder nicht vorhandene Religiosität im ursprünglichen Sinn wecken. In jedem Fall aber sollten alle Menschen dem notwendigen Ziel einer Versöhnung der Religionen näher kommen, denn alle Religionen führen irgendwann zu einem gemeinsamen Punkt und dort beginnt die wahre Religion.“

siehe auch: „Ursache und Wirkung“, Dez 2006